KAREN BLIXENS BRIEFE


Briefe aus Afrika

1978 gab der Karen Blixen-Forscher Frans Lasson für den Rungstedlundfond eine umfassende Sammlung von Karen Blixens Briefen heraus, die sie ihrer Familie, während der siebzehn Jahre, in denen Sie als Farmerin in Afrika lebte, nach Dänemark schickte.
Es sind aber auch einige Briefwechsel in diesem Buch enthalten, die Karen Blixens zwischenzeitliche Perioden dokumentieren, in denen sie in Dänemark war. Während der siebzehn Jahre in Afrika, reiste Karen Blixen insgesamt fünf Mal zurück zu ihrer Familie. Es sind leider keine Briefe an Karen Blixens Bruder, aus dem Zeitraum November 1928 bis April 1931, enthalten.
Ob sie ihm in dieser Periode keine geschrieben hat, oder ob die Briefe lediglich verschwunden sind, ist nicht bekannt. In jedem Fall wohnte Karen Blixen im Jahr 1929 über ein halbes Jahr, bei ihrer Mutter auf Rungstedlund.

Die meisten der Briefe, gingen an Karens Bruder Thomas und an ihre Mutter Ingeborg Dinesen, die sie beide auf der Farm besucht haben. Thomas blieb für einige sehr lange Perioden auf der Farm bei seiner Schwester.
Einige der Briefe gingen aber auch an Karens Schwestern Inger „Ea“ de Neergaard und Ellen Dahl, sowie an ihre Tante Mary Bess Westenholz, mit der Karen Blixens eine lebenslange Diskussion über die Frauenbefreiung, Viktorianismuss und Geschlechtermoral, geführt hat.

Auslassung
Die Herausgeberschaft der Briefe im Jahre 1978 erfolgte in Zusammenarbeit zwischen dem einzigen Geschwisterteil, der zu diesem Zeitpunkt noch lebte, Thomas Dinesen und Frans Lasson. Letzterer schrieb in seiner Einführung für die Briefe, dass Thomas Dinesen wünschte, dass einzelne Säzte und zum Teil soagar ganze Passagen aus den Briefen, für die Veröffentlichung, herausgenommen würden, aus Rücksicht auf einige Personen, aus dem engen Kreis der Familie.
Aus der Sammlung sind auch fast alle Briefe herausgelassen worden, die die finanzielle Situation von „The Karen Coffee Company“ betreffen oder erwähnen.

Trotz dieser familieninternen Zensur, geben die Briefe, teilweise Woche für Woche, einen weitreichen Einblick in Karen Blixens Alltag in Afrika. Frans Lasson schreibt in seiner Einführung: „Wir hören viel über die Zusammenarbeit zwischen Schwarzen und Weißen auf der Farm, über ihre nahe Verbindung zu der englischen Kolonie in Kenia, über den siebzehn Jahre andauernden Kampf damit die Farm und ihren Betrieb aufrecht zuerhalten, über den niemals abgebrochenen Kontakt zu der Familie in Dänemark, über ihre Ehe, über die Verhältnisse zu den Männern, die in irgendeiner Form Einfluss auf ihr Schicksal hatten, über das was ästhetisch oder religiös ihre Lebenssicht prägen konnte. Aber die Briefe haben auch ein historisches Interesse, welches weit über Karen Blixens Person hinausreicht. Sie kam nach Afrika, zeitgleich mit der letzten Welle, überwiegend englischer, Kolonialisten, die nach Kenia wollten, aber sie etablierte schnell ein persönliches, tief engagiertes Verhältnis zu der einheimischen Bevölkerung, welche ihrer Zeit weit voraus war.“ Frans Lasson beendet seine Einführung mit einer Aussage Karen Blixens: „Niemand ist blutiger in die Literartur hinein gekommen, als ich es bin“. Briefe aus Afrika bestehtigen ihre Worte.

Einige der Briefe, die The Karen Coffee Company erwähnten, die in Briefe aus Afrika nicht mit aufgenommen wurden, können auf den ersten 40 Seiten von Anders Westenholzs Buch „Kraftens horn. Myte og Virkelighed i Karen Blixens liv, 1982“ (Das Horn der Kraft. Mythe und Wirklichkeit in Karen Blixens Leben) gelesen werden. Anders Westenholz ist der Enkel Aage Westenholz, Leitungsvorstand der Kaffeekompanie und Karen Blixens Onkel, mütterlicherseits.


BRIEFE 1931-1962

1996 gaben Frans Lasson und Tom Engelbrecht Karen Blixen i Danmark. Breve 1931-1962 (Karen Blixen in Dänemark. Briefe 1931-1962) in zwei Bänden, die zusammen 1300 Seiten umfassen, heraus. Das Buch enthält eine lange Einführung von Frans Lasson, was dieser damit rechtfertigt, dass die 31 Jahre nach Blixens Rückkehr aus Afrika, in denen sie wieder in Dänemark wohnte, literarisch betrachtet, den wichtigsten Teil ihres Lebens ausmachte.
Im Gegensatz zu Briefe aus Afrika, 1978, indem nur die Briefe Karen Blixens abgedruckt waren, bekommen wir in dieser Ausgabe auch Briefe an die Schriftstellerin von Verwandten, Freunden, Kritiker, Verleger und anderen Lesern zu lesen. Die Briefsammlung gibt aus diesem Grund auch ein Bild einer Periode des dänischen Kulturlebens und der Milieus in denen Karen Blixen verkehrte.

Die Mennschen, dessen Korrespondenzen mit Karen Blixen in der Briefsammlung abgedruckt sind, lassen sich in sieben Hauptgruppen unterteilen:

FAMILIE UND VERWANDTE
Unter anderem Karen Blixens Mutter Ingeborg Dinesen, die Schwester Ellen Dahl, die Brüder Anders und Thomas Dinesen, die Tanten Mary Bess Westenholz (Moster Bess) und Karen Sass (Moster Lidda), der Onkel Aage Westenholz und Bror Blixen-Finecke.

FREUNDE UND FREUNDINNEN
U.a. Birthe Andrup, Lehnsgräfin Sophie Bernstorff-Gyldensteen (eine Halbcousine), Jytte Knipschildt, Else Reventlow, Steen Eiler Rasmussen (Architekt und Nachbar), Clara Svendsen (Karen Blixens Sekretärin).

DÄNISCHE SCHRIFTSTELLER UND KÜNSTLER 

U.a. Thorkild Bjørnvig, Jørgen Gustava Brandt, Erik Clemmesen, Johannes V. Jensen, Frank Jæger, Otto Rung, Tage Skou-Hansen, Ole Wivel.

AUSLÄNDISCHE SCHRIFTSTELER UND KÜNSTLER
U.a. Dorothy Canfield Fisher, John Gielgud.

DÄNISCHE FORSCHER UND KRITIKER
U.a. Hans Brix, Christian Elling, Aage Henriksen, Knut W. Jensen, Bent Mohn, Johannes Rosendahl.

FREUNDE UND BEKANNTE AUS AFRIKA
U.a. Abdullahi Ahmed, Otto Casparsson, Farah Aden, Juma bin Muhammed, Kamante Gatura, Paul von Lettow Vorbeck, Ingrid Lindström, Gustav Mohr.

DÄNISCHE UND AUSLÄNDISCHE VERLEGER 

Frederik Hegel, Constant Huntington, Robert K. Haas.

Weil die Korrespondenz so viele Mennschen umfasst, gibt diese Sammlung so einen breiten Eindruck von Karen Blixens Leben in Dänemark ab 1931. Sie gibt einerseits Aufschluss über Karen Blixens Alltag auf Rungstedlund, aber auch über das nähere Zusammensein mit Freunden und Familie. Sie dokumentiert die Diskussionen, die sie mit Künstlern und Kritikern über ihre eigene Autorschaft führte. Die Korrespondenz, die Blixen mit dem Dichter Thorkild Bjørnvig hatte ist eine interessante Ergänzung seiner Beschreibung des Verhältnisses der beiden in dem Buch Pagten (Der Pakt), aus dem Jahre 1974. Der Briefwechsel mit alten Freunden und Bekannten aus Kenia zeigt, dass Karen Blixen nie das Interesse verlor und die Fürsorge, für die Mennschen mit denen sie in Afrika verbunden war, vernachlässigte.
Darüber hinaus zeigt die Korrespondenz mit Verlegern und den Anwälten Erik Petri und Philip Ingerslev, wie sie praktische Dinge in Bezug auf ihre Autorschaft und den Rungstedlundfond regelte.