INTERVIEWS

„Ich lege keinen Wert darauf, interviewt zu werden“, sagt Karen Blixen einleitend in einem Interview in der New York Times Book Review am 3. November 1957 und weiter, „das ist wie eine Prüfung – und wer fühlt sich durch Prüfungen inspiriert?!“

Von ihrem Debut 1934 bis einen Monat vor ihrem Tod 1962, gab Karen Blixen jedoch etwa 150 Interviews für dänische und ausländische Zeitungen, das Radio und Fernsehen. Der Großteil dieser Interviews wurde von Else Brundbjerg in Samtaler med Karen Blixen (Gespräche mit Karen Blixen), erschienen im Jahr 200, gesammelt.

Selten kommentiert Karen Blixen Einzelheiten ihrer Erzählungen und niemals macht sie Aussagen bezüglich ihres Privatlebens. Dennoch tragen die vielen Interviews dazu bei, Karen Blixens Persönlichkeit, ihre literarischen Interessen und ihren Blick auf Afrika zu beleuchten. Außerdem äußert sie sich häufig zu den Unterschieden zwischen den dänischen und den ausländischen Reaktionen auf ihre Verfasserschaft. Sie kommentiert auch eine Reihe allgemeiner Gesellschaftsverhältnisse und Lebenswerte, sowie einige übergeordnete Linien ihrer Erzählkunst.

Zitate aus Interviews

1934 „Ich will frei sein in meiner Äußerungsform – ich, d.h. Isak Dinesen – will frei sein in seiner Äußerungsform. Er kennt die äußersten Pole der Literatur, den rein menschlichen, in dem Dostojevskij das Äußerste geleistet hat und ein Werk wie „Tausend und eine Nacht“, in dem der Verfasser die Erde verlässt. Und er will das Recht haben, mitten zwischen diesen Polen zu stehen.“
1935 „Ich wiederhole, dass der Erfolg der Erzählungen nichts ist, im Vergleich zu dem Gefühl, dass man schreiben kann. Ich fühlte es, so als könnte ich plötzlich fliegen, als könnte ich schwimmen in tiefen Wassern.“
1937 „Sehen Sie einmal dieses Familienstammbuch. Es berichtet seit über dreihundert Jahren von meiner Familie. Aber es erzählt uns nur von den Männern. Ihre Taten und Lebensläufe werden ausführlich geschildert, mit allen Einzelheiten, die wir nur zusammensammeln können. Über die Frauen steht dort gar nichts, außer der trockenen Bemerkung, dass der Mann sich mit der und der Dame verheiratet habe.“
1942 „Ein Kunstwerk soll kein Kunststück sein. Ein Künstler soll doch etwas auf dem Herzen haben.“
1946 „Der Mann kennt die Frau nicht so gut, wie die Frau den Mann.“
1952 „In meinen Augen war die Emanzipation kein absolutes Glück für die Frauen. Natürlich war sie notwendig. Sie hatten ja keine Wahl. Denken Sie nur daran, dass früher die ganze Industrie in den Händen der Frauen war. Sie gossen Kerzen, sponnen, webten usw. Aber die Frau darf niemals mit dem Mann konkurrieren. Ein Zusammenspiel zwischen den Geschlechtern ist von außerordentlich großer Bedeutung.“
1954 „Und ich denke an einen Vers von Sophus Claussen, in dem er sagt: „wenn alles fehlschlägt, ist Trost zu schöpfen aus den großen Tragödien, bei den großen Trostlosen“. Trost zu schöpfen ist, finde ich, im höchsten Grad, bei Chaplin und Hemingway.“
1959 „Aber für mich bedeutet Schicksal nicht das gleiche, wie für die meisten anderen. Ich sehe das Schicksal nicht vor mir wie einen Gott ohne Antlitz, vor dem der Mensch sich in Furcht und Beben beugen muss. Für mich liegt das Schicksal des Menschen im Zusammenspiel zwischen seinem Wesen und seiner Umgebung. (…) Wäre Othello mit Cordelia verheiratet gewesen, wäre alles anders gekommen. Sie erlitten ein Zusammenkommen von Umständen, dem sie nicht gewachsen waren. Aus solch einem Konflikt wird ein Schicksal geschaffen und somit eine Tragödie.“
1962 „Ja, wie so oft ist die Erzählung von der Wirklichkeit inspiriert, von etwas Erlebtem. Aber in der Erzählung kann sich dieses Wirkliche bis zur Unkenntlichkeit verkleiden und ist nicht immer Teil der eigenen Ideen des Verfassers.“