JENSEITS VON AFRIKA

Karen Blixens Erinnerungsbuch Den afrikanske farm (deutsch: Jenseits von Afrika) erschien am 6.10.1937 in Dänemark und im selben Jahr in London unter dem Titel Out of Africa, im darauf folgenden Jahr in den USA, wo es genau wie zuvor Syv fantastike fortællinger zum „Buch des Monats“ gewählt wurde.

In Dänemark wurde Jenseits von Afrika zum populärsten Werk Karen Blixens. Alleine zu ihren Lebzeiten verkaufte es sich mehr als drei Mal so oft wie jedes andere Buch von ihr. In Dänemark wurden Karen Blixens übrige Geschichten und Erzählungen nie das was man heute unter Bestsellern versteht. Es ist etwas paradox, dass die Dänischen Leser so fasziniert von Blixens Beschreibungen des exotischen Afrikas waren, hingegen aber den exotischen Einschlag in ihren übrigen Geschichten eher kritisch betrachteten.

LIEBE UND RESPEKT FÜR DIE AFRIKANISCHE KULTUR

Die Beschreibungen über die Eingeborenen in Afrika zeugen von Karen Blixens großer Liebe, verblüffendenVerstehens und Respekt für die Afrikanische Kultur. Jedoch ist ihr Buch in keiner Weise eine dokumentarische Schilderung ihres 17 Jahre andauernden Aufenthalts in Afrika. Viele Leser haben das Buch jedoch als solche verstanden, als es herauskam. Karen Blixens Fähigkeit, ihre Beobachtungen und Erlebnisse in gute Geschichten umzuformen, lässt sich nicht verleugnen.

Jenseits von Afrika hat fünf Hauptkapitel – wie fünf Akte in einer Tragödie. Diese handelt einerseits von dem Verlust des Paradieses, dass Karen Blixen trotz aller Probleme und Schwierigkeiten des Alltags in Afrika in Kenia fand. Denn für sie war es frei von allen bürgerlichen Konventionen, die für sie eine Art Zwangsjacke in dem Dänmark ihrer Kindheit und Jugend gewesen waren. Darüber hinaus ist das Erinnerungsbuch über die Jahre in Afrika auch eine Tragödie über das Verhältnis zu der größten Liebe ihres Lebens – zu dem Engländer Denys Finch Hatton – die in gleicher Weise in Schmerzen und Verlust endeten.

Die Veröffentlichung von Karen Blixens, beinahe wöchentlichen Briefe aus Afrika an ihre Familie in Dänemark, im Jahre 1978 hat uns eine ganz andere Wirklichkeit gezeigt, als die, der wir in Jenseits von Afrika begegnet sind. Diese macht in einem sehr hohen Grad deutlich, dass Karen Blixens Erinnerungsbuch ein dichterisches Werk ist. In ihrer Erzählung „Fra det gamle Danmark“ (Aus dem alten Dänemark) aus der Geschichtensammlung „Vinter-eventyr“ (Wintergeschichten) sagt eine der Personen, Sune, zum König: „Dette ved jeg, at alle Begivenheder får deres Betydning gennem de Menneskers Sindelag, som de rammer, og ingen udvortes Hændelse er den samme for to Mænd på Jorden“ (Dies weiss ich, dass alle Begegenheiten ihre Bedeutung durch die Gesinnung der Menschen haben, denen sie geschehen und dass keine äußeren Ereignisse für zwei verschiedene Männer auf der Erde, das selbe sind).
Mit Sunes Worten können wir das Bild, welches wir von den Jahren in Afrika, in Jenseits von Afrika , erhalten sehr gut charakterisieren. Alle Vorkommnisse haben ihre besondere Bedeutung durch die Gesinnung des Menschen erhalten, dem sie wiederfahren sind, nämlich, Karen Blixen.

Hinzu kommt, dass das Dichterwerk Ereignisse sammelt und zu einem Ganzen umformt, während die Briefe Augenblicksberichte sind. Ein einfaches Beispiel kann den Unterschied deutlich machen: In Breve fraAfrika schreibt Karen Blixen am 3. Januar 1928 über eine Löwenjagd, auf der sie mit Denys Finch Hatton gewesen ist. In dem Brief heißt es, dass Denys zwei Löwen schießt und beide Männchen waren. In Jenseits von Afrika hat Blixen dieselbe Episode geändert. Denys schießt den ersten Löwen, den sie treffen, welcher hier ein Weibchen ist. Karen Blixen schießt den zweiten Löwen. Dieser war ein Männchen. Eine triviale Löwenjagd in den Briefen wird in Jenseits von Afrika zu einer konzentrierten Liebestragödie.