POSTHUMOUS PUBLICATIONS

Ehrengard wurde erstmalig, in einer verkürzten Version im Dezember 1962, einige Monate nach Karen Blixens Tod in dem Magazin Ladies´Home Journal unter dem Titel „The Secret of Rosenbad“, veröffentlicht. Sie schaffte es nicht mehr selbst die Erzählung ins Dänische zu übersetzen. Das übernahm ihre Sekretärin Clara Svendsen, sodass Ehrengard am 7.6.1963 als eigenständiges Buch auch in Dänemark erschien. Es wirkt so als habe Karen Blixen sich in dieser späten Phase ihres Lebens dazu entschieden ein humoristisches, aber elegantes Nachspiel für ihre gesamte Autorschaft zu schreiben. In dieser Erzählung kann der Konflikt zwischen Leben und Kunst gelöst werden und die Frau geht für ein einziges Mal siegreich aus der Geschichte hervor. So wie viele andere von Karen Blixens Erzählungen (z.B. „Die Träumer“ versus Don Juan), ist auch diese als ein Gegenstück für ein anderes bekanntes Werk der Weltliteratur geschrieben worden, in diesem Fall handelt es sich um eine Antwort auf Søren Kierkegaards „Tagebuch des Verführers“ in Enten-Eller („Entweder-Oder“). In „Tagebuch des Verführers“ plant Johannes die junge Cordelia zu verführen, was er auch etwas später in die Tat umsetzt. In Karen Blixens Erzählung plant der Künstler Cazotte Ehrengard zu verführen. Nicht tatsächlich, aber er beobachtet sie beim Morgenbad und malt währenddessen ihren nackten Körper, um sie anschließend zum Erröten zu bringen, indem er ihr das Bild zeigt. Doch sie richtet letztendlich seine Pläne gegen ihn selbst, er wird gänzlich stumm und verschwindet aus der Erzählung. Im Epilog erfährt der Leser, dass alles gut ausgegangen ist für die junge, vitale Ehrengard.
Die Erzählung weist zu zwei früheren Erzählungen Blixens Bezüge auf: Zu „Der alte, wandernde Ritter“ in Sieben fantastische Erzählungen und „Die Heldin“ in Wintergeschichten.

OSCEOLA
Überarbeitet und mit einem Vorwort von Clara Svendsen kamen im Jahr 1962 Karen Blixen Jungendwerke, die unter dem Pseudonym Osceola geschrieben wurden, noch einmal heraus.
Osceola war der Name eines berühmten nordamerikanischen Indianerhäuptlings, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts bewaffnete Wiederstände gegen amerikanische Truppen ins Leben rief.
Osceola war auch der Name eines der Jagdhunde Wilhelm Dinesens.

Viele Jugendarbeiten Blixens wurden in dem Jahrbuch Blixeniania in den Jahren 1983 und 1985 gedruckt.

Die meisten nachgelassenen Erzählungen in deutscher Version sind in den beiden folgenden Sammlungen enthalten:

Tania Blixen: Gespensterpferde. Nachgelassene Erzählungen, Reinbeck beim Rowohlt-Verlag 1986

1 Die Familie de Cats
2 Die Einsiedler
3 Onkel Theodore
4 Der letzte Tag
5 Onkel Seneca
6 Der dicke Mann
7 Gespensterpferde
8 Die stolze Dame
9 Der Bär und der Kuss
10 Wiedersehen

weitere nachgelassene Erzählungen in deutscher Ausgabe sind enthalten in:

Tania Blixen: Karneval. Reinbeck beim Rowohlt-Verlag 1998

1 Karneval
2 Anna
3 Ehrengard
4 Der Pflüger
5 Die Königssöhne

VORAUSSAGE
Unter den nachgelassenen Erzählungen, die nie in die späteren Sammlungen Blixens mit aufgenommen wurden ist „Wiedersehen“ besonders interessant. Diese handelt von einer Voraussage, die Karen Blixen und ihrer Autorschaft nach ihrem Tod selbst passierte.Wie viele der Erzählungen in Widerhall. Letzte Erzählungen und Schicksalsanekdoten handelt auch „Wiedersehen“ von dem Verhältniss zwischen dem Leben des Künstlers und seinem Werk. Die Hauptperson ist der englische Dichter Lord Byron, der seine Reise nach Griechenland für eine Pause in Genua unterbricht. Dort begegenet er seinem Doppelgänger, dem Direktor eines Marionettentheaters Pipistrello, der Lord Byron 14 Jahre zuvor vor einem Räuberhinterhalt rettete. Dies brachte ihm eine Goldmünze ein, mit der er sein Marionettentheater gründete. Er erzählt Lord Byron, dass er aber den „Anspruch auf ein wirkliches Menschenleben“ verwirkte. „Die Harmonie darin war von da an, lediglich die Harmonie in einer Geschichte. Sicher ist es ein großes Glück, die Dinge die einem selbst geschehen in Geschichten verwandeln zu können. Das ist möglicherweise das einzige Glück, dass ein Mensch in seinem Leben überhaupt finden kann. Aber es ist auch zeitgleich, unerklärbar für nicht eingeweihte, ein Verlust und eine Verbannung. Was ich also in diesen vierzehn Jahren gewonnen habe ist die Kenntnis und der Zugang zu Geschichten und dem Wesen, dass sie ausmacht.“

Die Prophezeiung darüber, wie sich später das Interesse für Karen Blixen und ihre Autorschaft entwickeln wird steht in den letzten Zeilen der Erzählung. Pipistrello und Lord Byron sprechen darüber was mit Lord Byrons Büchern in einhundert Jahren geschehen wird. Pipistrello ist der Meinung, dass Lord Byrons Bücher weniger gelesen werden, als in zu seinen Lebzeiten, fügt aber an: „Aber ein Buch“, sagte Pipistrello, „wird wieder und wieder geschrieben werden, und wieder und wieder gelesen werden, und jedes Jahr in einer neuen Ausgabe ins Regal gestellt werden.“
„Was für ein Buch ist das?“ fragte Lord Byron.
„Lord Byrons Leben“,sagte Pipistrello.