PSEUDONYME

Pseudonyme wurden seit jeher von Schriftstellern verwendet, weil sie aus verschiedenen Gründen, ihre Identität geheim halten wollten, sich vor den Lesern mystfizieren oder unterstreichen wollten, dass der Privatmensch und der Autor nicht identisch miteinander sind. Es gibt viele Schriftsteller, die ihre gesamte Autorschaft unter einem Pseudonym herausgegeben haben.

Aber warum entschied sich auch Karen Blixen ihre ersten Erzählungen unter einem Pseudonym herauszugeben?
Dafür kann es verschiedene Erklärungen geben. In einem Interview in der dänischen Tageszeitung Politiken aus dem Jahr 1934 erklärte sie, dass siesich ihren Vater Wilhelm Dinesen zum Vorbild nahm. Dieser gab 1889 und 1892 Jagdbreve (Jagdbriefe) und Nye Jagdbreve (Neue Jagdbriefe) unter dem Pseudonym Boganis – einen Namen, den er von den Indianern, während seines Aufenthaltes in Wisconsin erhielt. Karen Blixen sagte in dem Interview:

„Er hatte etliche Dinge unter seinem eigenen Namen geschrieben, Wilhelm Dinesen, und dafür stand er selbstverständlich gerade. Aber in den Jagdbriefen äußerte er sich frei, ließ die Fantasie überwiegen und kritisierte darüber hinaus Männer, die in öffentlichen Verhältnissen standen. Er wollte nicht, dass die Leute ihn fragten: Meinen Sie jetzt wirklich genau das damit, oder haben Die selbst diese Geschichte erlebt, die wir heute morgen in der Zeitung gelesen haben“.

Auch Karen Blixens Schwester, Ellen Dahl, hat 1929 und 1932 zwei Bücher unter dem Pseudonym Paracelsus herausgegeben. Bei beiden Büchern handelte es sich um Sammlungenvon Kurzgeschichten und lebensphilosophischen Essays, die im allgemeinen nicht besonders viel Aufmerksamkeit auf sich zogen. Vielleicht hat Karen Blixen aus der Herausgeberschaft ihrer Schwester etwas gelernt – wird man übersetzt, ist es besser wenn dies unter einem Pseudonym geschieht. Aber bereits 1907, als sie noch sehr jung war, benutze Karen Blixen für eine Herausgeberschaft ein Pseudonym – Peter Lawless. Es handelte sich dabei um die Veröffentlichung einiger Karikaturen in dem wöchentlich erscheinenden politischen Satireblatt Klods-Hans (nocheimal gedruckt in Blixeniana im Jahre 1983).

PETER LAWLESS
Peter Lawless ist möglicherweise von dem Graumönch Will Lawless, einer Person aus Robert Louis Stevensons Roman The Black Arrow aus dem Jahr 1888 inspiriert. Stevensons war einer von Karen Blixens Lieblingsautoren.
Der Architekt Steen Eiler Rasmussen, ein langjähriger Nachbar Karen Blixens, schrieb in seinem Artikel „Karen Blixens Rungstedlund“ ( neugedruckt in Franz Lasson: Karen Blixens Rungstedlund, 2001): „…Auf Rungstedlung gibt es ein altes goldenes Bild von Karen Blixen auf welchem sie noch keine zwanzig Jahre alt ist. Sie steht dort mit einem frechen Gesichtsausdruck. Ihre Pose unterstreicht sie dadurch, dass sie mit sehr großen Buchstaben „Peter Lawless“ auf das Bild gesschrieben hat“.

Als die junge Karen Dinesen in den Jahren 1907 und in den Jahren darauf die Erzählungen „Die Einsiedler“, „Der Pflüger“ und „Die Familie de Cats“, samt dem Gedicht „Ex Africa“ in den Zeitschriften Tilskueren und Gads Danske Magasin veröffentlichte, benutzte sie das Pseudonym Osceola. Osceola war ein Indianerhäuptling aus dem frühen neunzehnten Jahrhundert und Wilhelm Dinesen gab ihn auch einem seiner Jagdhunde.

ISAK DINESEN
Für die Herausgeberschaft von Seven Gothic Tales im Jahr 1934 in den USA benutze Karen Blixen das Pseudonym Isak Dinesen, welches sie auch für die dänische Ausgabe Syv fantastiske fortællinger behielt, auch wenn der richtige Name der Autorin längst bekannt war.
Ihr amerikanischer Verläger, Robert K. Haas, versuchte sie davon zu überzeugen, ihre Erzählungen unter ihrem eigenen Namen herauszugeben, aber Karen Blixen hielt an ihrem Pseudonym fest.

Dass sie ihren Geburtsnamen Dinesen verwendet hat ist eindeutig. Wie zu dem Namen Isak kam erklärt Karen Blixen in einem Interview aus dem Jahr 1960. Er stammt aus dem Ersten Buch Mose. Aus der Geschichte über Sara, die darüber lacht, als der Herr ihr mitteilt, dass sie in ihrem hohen Alter noch einen Sohn bekommen wird. Karen Blixen sagt weiterhin: „Und so sagt sie danach, dass sie sich entscheidet ihn Isak zu nennen, weil dieser Name Lachen bedeute und sie hofft und wünscht, dass die ganze Welt mit ihr lacht. Das, fande ich, war ein ansprechender Gedanke.“ Das ist natürlich eine Erklärung, aber eigentlich nur eine Halbe. Wir erfahren an dieser Stelle nämlich nicht, worüber sie selbst lacht. Vielleicht identifizierte sich Karen Blixen mit Sara, in der Sache, dass sie in ihrem verhältnismäßig hohen Alter beginnt Bücher zu veröffentlichen, während Sara einen Sohn bekommt, in verhältnismäßig hohem Alter.
Vielleicht hatte sie auch eine Absicht damit für ihr Pseudonym einen männlichen Namen zu wählen, in einer Zeit, in der weibliche Autoren im Verhältnis zu männlchen in der Unterzahl waren und bei weitem in der Gesellschaft auch nicht so akzeptiert und respektiert wurden, wie die männlichen.
Eine Vorgängerin, die so gehandelt hat war im neunzehnten Jahrhundert, die französische Autorin Aurore Dudevant, die unter dem Pseudonym George Sand schrieb.

In den USA kamen Karen Blixens Bücher weiterhin unter dem Pseudonym Isak Dinesen heraus. In Dänemark wechselte sie nach dem Erscheinen von Jenseits von Afrika dazu ihren eigenen Namen anzugeben. Nur der Roman Die Rache der Engel kam wieder unter einem Pseudonym heraus, einem neuen, Pierre Andrézel. Isak Dinesen trat in Dänemark noch für zwei weitere selbstständige Bücher auf. Für Babettes Fest und Gespensterpferde. Möglicherweise, um zu markieren, dass sie ursprünglich für das amerikanische Wochenblatt Ladies´ Home Journal geschrieben wurden.

PIERRE ANDRÉZEL
Karen Blixen erklärte, dass Die Rache der Engel unter dem neuen Pseudonym Pierre Andrézel herauskam, weil sie den Roman nicht zu dem seriösen Teil ihrer Autorschaft rechnete. Er ist auf dänisch geschrieben und auf dem Titelblatt der dänischen Ausgabe ist angegeben, dass er von Clara Svendsen, Karen Blixens Sekretärin, übersetzt wurde. So wollte Blixen die Mennschen davon überzeugen, dass hier tatsächlich von einem französischen Autor die Rede war. Doch schnell erkannten viele Leser, dass Pierre Andrézel mit Karen Blixen identisch war, was sie aber erst offen in einem Interview im Jahre 1956 zugab.

TANIA BLIXEN
Im deutschsprachigen Raum wurde für die Herausgeberschaft von Karen Blixens Büchern das Pseudonym Tania Blixen verwendet.