SCHICKSALS-ANEKDOTEN

Schicksals-Anekdoten ist die letzte Sammlung, die zu Karen Blixens Lebzeiten erschien. Am 12.10.1958 kam das Buch in Dänemark heraus. Noch im selben Jahr erschien es auch in England und den USA.
Genau wie einige Erzählungen aus der Sammlung Widerhall. Letzte Erzählungen aus dem Jahr 1957, ist auch ein Großteil der Geschichten aus Schicksals-Anekdoten bereits Jahre zuvor veröffentlicht worden. Lediglich „Stürme“ hat Karen Blixen gänzlich neu geschrieben.

KUNST UND LEBEN
Abgesehen von „Der Ring“, der sich thematisch eher in Wintergeschichten einordnen lässt, handeln alle Schicksals-Anekdoten von dem Verhältnis zwischen Leben und Kunst, welches auf verschiedene Weise in den vier Erzählungen thematisiert wird. Was bedeutet Kunst für ihr Publikum? Was bedeutet sie für das Leben des Künstlers? Gibt es überhaubt eine Übereinstammung zwischen Leben und Kunst?

STÜRME
„Stürme“ ist eine Erzählung über den Preis der Kunst. Die Hauptpersonen sind der Theaterdirektor Herr Sørensen, der mit dem Shakespeare-Stück „Der Sturm“ auf Tournée durch Norwegen reist und Malli, die in dem Schauspiel die Hauptrolle Ariel spielt. Malli begeht den schicksalschweren Fehler Kunst mit Leben zu verwechseln und trägt aus diesem Grund Schuld daran, dass ein Matrose während eines starken Unwetters auf einer Seereise sein Leben verliert. Als sie das einsieht, verlässt sie ihren Verlobten und zieht sich in die Welt des Theaters zurück. „Babettes Fest“ erzählt von dem Missverhältnis zwischen dem strahlenden Fest und dem Glückslob, welche die ehemalige französiche Küchenchefin und landflüchtige Babette in einer kleinen, stark religiösen norwegischen Gesellschaft mit ihrem üppigen Kunststück einer Mahlzeit schafft, und ihrer eigenen großen Einsamkeit. Babette hat jedoch ihre eigene besondere Zufriedenstellung: Ihr Bestes zu leisten.

DER TAUCHER
„Der Taucher“ handelt von der Frage, was einen schaffenden Menschen ausmacht. Einen schaffenden Menschen macht das Zusammnspiel von Hoffnung, Sehnsucht und dem Mut Risiken einzugehen.“Ohne Hoffnung kann man nicht tanzen“, „Ohne Hoffnung kann man nicht fliegen, „Ohne Hoffnung kann man nicht erzählen“, heißt es. Das Gegenteil dieser Auffassung stellt der alte Kofferfisch dar, der behauptet, dass das Glück darin bestünde sich immer in vollkommenem Gleichgewicht, in der Mitte und der Mittelmäßigkeit zu halten. Deshalb kann der Fisch auch über sich selbst sagen: „Wir haben keine Hände und können deshalb nichts hervorbringen und niemals irgendein Verhältnis in dem vollbrachten und bestehenden Schaffenswerk“ verändern.

DIE UNSTERBLICHE GESCHICHTE
In „Die unsterbliche Geschichte, versucht der reiche Engländer Mr. Clay eine Geschichte, die er mal gehört hat zu Realität zu machen.
Es ist eine „unsterbliche“ Wandergeschichte über einen reichen alten Mann, der einen jungen Seemann dafür bezahlt seine mit seiner jungen Frau ein Kind zu zeugen, dami das Geschlecht fortbestehen kann. Mr. Clay hat aber nicht vorraus gesehen, dass sich die beiden jungen Menschen, die er zusammen geführt hat, ineinander verlieben würden und sich deshalb nicht mehr trennen wollen. Dadurch bekommt die Erzählung ein anderes und für Mr. Clay ein fatales Ende. Der Rationalist Mr. Clay will nichts über Geschichten und Fiktion wissen. Für ihn gibt es nur Wirklichkeit. Deshalb versucht er die Geschichte auszurotten, indem er sie in der Wirklichkeit geschehen lässt. Aber dadurch schafft er bloß eine neue Geschichte, die, die Karen Blixen erzählt.

Karen Blixen nahm vier Geschichten aus dieser Sammlung heraus, die eigentlich für sie gedacht waren, die Blixen als zu schwach oder unfertig betrachtete.
Zum Beispiel die Erzählung „Gespensterpferde“, welche aber bereits 1952 in dem Magazin Ladies´Home Journal erschienen war, genau wie „Ehrengard“ 1962, nur ein paar Monate nach Blixens Tod in einer kürzeren Version unter dem Titel „The Secret of Rosenbad“ und ein Jahr später auf dänisch, als eigenständiges Buch.

TITEL DER EINZELNEN ERZÄHLUNGEN:

 

  • Der Taucher
  • Babettes Fest
  • Stürme
  • Die unsterbliche Geschichte
  • Der Ring