WIDERHALL. LETZE ERZÄHLUNGEN

Widerhall. Letzte Erzählungen kam am 4.11.1957 heraus. Anders als der Titel andeutet wurde das Buch nicht die letzte, sondern die vorletzte Geschichtensammlung Karen Blixens. Der Gesundheitszustand der Schriftstellerin verschlechterte sich während der 1950er Jahre enorm. Als sie im Jahre 1955 ihren 70. Geburtstag feierte musste sie sich mehreren Operationen, in relativ kurzen Abständen, unterziehen. Denoch arbeitete sie in diesen Jahren an drei großen Büchern. An einer Sammlung mit neuen fantastischen Erzählungen und Wintergeschichten; die Sammlung Schicksalsanekdoten, die 1958 erschien. Schließlich schrieb sie an einem großen Romanprojekt Albondocani. Dieses Buch sollte nach Blixens Plan eine Aneinanderreihung vieler unabhängiger Geschichten werden, die allerdings dadurch auf einander Bezug nehmen sollten, dass die Figur Albondocani in jeder Geschichte, die Hauptperson ist. Albondocani war ein Name des Kaliefen Harun al Raschid in der arabischen Märchensammlung Tausendundeine Nacht.

In Widerhall. Letzte Erzählungen hat Karen Blixen einige der Erzählungen gesammelt, die ein Teil des Albondocani-Romans werden sollten. Diese Sammlung besteht aus drei Teilen: Kapitel des Romans Albondocani, Neue fantastische Erzählungen und Neue Wintergeschichten. Einige dieser Geschichten erschienen bereits losgelöst von der Sammlung im Laufe der fünfziger Jahre. Darunter manche im Jahre 1955 in der amerikanischen Zeitschrift Ladies´Home Journal. Die Erzählung „Karyatiderne“, die ursprünglich zu Blixens Debutsammlung Sieben fantastische Erzählungen gehören sollte, erschien bereits 1938 in dem schwedischen Magazin Bonniers litterära Magasin und “Samtale om natten i København“ wurde 1953 in der Dänischen Zeitschrift Heretica abgedruckt.

DER KÜNSTLER UND DIE ROLLE DES KÜNSTLERS

Einige der geschichten in dieser Sammlung führen ein ganz neues Thema in die Autorschaft karen Blixens ein, nämlich die Rolle des Künstlers und die Rolle der Kunst im Verhältnis zu anderen Deutungen des Lebens, wie religiöse und philosophische. Dieses Thema ist genauso zentral in der späteren Sammlung Schicksalsanekdoten. Häufig wird diese Auseinandersetzung in den einzelnen Erzählungen durch einen Dialog zwischen zwei Personen dargestellt. Hier hat Karen Blixen wahrscheinlich die Gespräche über das Wesen und die Möglichkeiten der Kunstmit verschiedenen Gegenwartskünstlern und Literaten, die sie während der 50er Jahre häufig geführt hatte, in ihren Geschichten verarbeitet.

Der Ausgangspunkt für den Dialog der Geschichte „Die erste Erzählung des Kardinals“ ist die Aussage des Kardinals, dass ein Mensch erlöst ist, wenn er die Frage: „Wer bin ich“ beantworten kann.
Die Frage kann nur durch das Erzählen einer Geschichte beantwortet werden. Da eine Geschichte jedoch immer mehrdeutig ist, sollte man sich nicht zu viele Hoffnungen machen die Frage endgültig beantworten zu können.
In „Nächtliches Gespräch in Kopenhagen“ trifft der Dichter Ewald, den geisteskranken jungen König Christian den Siebten und eine Prostituierte mit Namen Lise. Sie diskutieren in dieser Erzählung über das Missverhältnis zwischen dem bedeutenden Universum, das ein Künstler für die Menschen schaffen kann und dem undurchsichtigen und nicht vorraussehbaren Darsein, in dem sich die Menschen im realen Leben befinden.

TITEL DER EINZELNEN ERZÄHLUNGEN:

 

  • Die erste Erzählung des Kardinals
  • Der Mantel
  • Nächtliche Wanderung
  • Zwei alte Herren erzählen sich Geschichten
  • die dritte Erzählung des Kardinals
  • Widerhall
  • Eine Geschichte vom Lande
  • Saison in Kopenhagen
  • Nächtliches Gespräch in Kopenhagen